Unterstützer-Brief für Organisationen

Erfahren Sie mehr über Global Frackdown (in Englisch)

  1. November 2015

Sehr geehrte Staats- und Regierungschefs, sehr geehrte Parlamentarier,

Die Konferenz der Vertragsparteien der Klimarahmenkonvention der Vereinten Nationen (Conference of Parties of the United Nations Framework Convention on Climate Change in Paris, COP 21) steht kurz bevor und wir bitten Sie eindringlich, konsequente Schritte zu unternehmen. Dies bedeutet nicht nur, Ziele zur Emissionsverringerung festzulegen, sondern auch ausdrücklich Stellung zu beziehen für die fundamentale, wissenschaftlich belegte Notwendigkeit, fossile Brennstoffe in der Erde zu belassen. Insbesondere appellieren wir an Sie, das hydraulische Aufbrechen von Gesteinsschichten (hydraulic fracturing, Fracking) abzulehnen, ebenso den Einsatz von Säurestimulation bei der Öl- und Erdgasproduktion sowie die gesamte damit verbundene Infrastruktur. Sie müssen stattdessen Maßnahmen ergreifen, um entschlossen in Richtung einer zukünftigen Energieversorgung aus 100% erneuerbaren Quellen zu gehen, denn dies ist notwendig, um der Erderwärmung entgegenzuwirken und das Klima zu stabilisieren.

Im Dezember 2014 stellte der New Yorker Gouverneur Cuomo einen Bericht über die Auswirkungen von Fracking auf die Gesundheit vor und beschloss daraufhin, diese Rohstoff-Förderpraxis in seinem Bundesstaat zu verbieten. Mit diesem Schritt folgte er dem führenden Beispiel von Ländern wie Frankreich und Bulgarien, die das Fracking ebenfalls verboten haben. Eine solche Vorsichtsmaßnahme ist die Antwort auf die zunehmenden wissenschaftlichen Belege für die negativen Auswirkungen von Fracking, zu denen Luft- und Wasserverschmutzung ebenso gehören wie Erdbeben, und negative Auswirkungen auf die öffentliche Gesundheit, ganz zu schweigen von den massiven Beeinträchtigungen, die z. B. der Abbau von Sand für die Fracking-Vorgänge, Pipelines und andere dazugehörige Infrastruktur auf Kommunen und Umwelt haben.

Hinsichtlich der schädlichen Einflüsse auf das Klima stimmt es zwar, dass das Verbrennen von Erdgas weniger Kohlendioxid verursacht als das Verbrennen von Kohle oder Öl. Deshalb wurde Gas, das durch Fracking gewonnen wird, als klimafreundlich angepriesen und als Brückenbrennstoff schöngeredet.[1] Leider ist es in Wahrheit aber so, dass gefracktes Gas eine Brücke in ein Klimachaos bedeutet, aus dem es keinen Ausweg gibt. Hier die drei grundlegenden Argumente dafür:

Erstens, und vor allem, verdrängt die stärkere Nutzung von Erdgas im Stromsektor nicht nur andere fossile Brennstoffe, es verdrängt auch sauberere Lösungen wie die Nutzung von Sonne und Wind sowie Steigerung der Energieeffizienz. Diese Lösungen sind von höchster Bedeutung, um den Herausforderungen des Klimawandels zu begegnen. Jedoch verzögern Fracking und eine ausgedehnte, auf Gas basierende, Energieinfrastruktur die Entfaltung bzw. Verbreitung der sauberen Lösungen.

Zweitens entweicht durch Lecks an Bohrstellen und Pipelines mehr Erdgas – und damit mehr von dem Treibhausgas Methan -, als man zunächst dachte. Methan ist jedoch ein viel stärkeres Treibhausgas, als man bisher annahm.[2] Die Nutzung von Erdgas anstelle von anderen fossilen Brennstoffen führt daher zu einem Anstieg der Methanemissionen, der den durch die Erdgasnutzung erwarteten verringerten Kohlendioxidaustoß “aufwiegt” und ihn sogar übersteigen könnte.

Drittens: Sieht man von den Problemen der Industrie mit Methan-Leckagen ab und betrachtet nur das Kohlendioxid, so muss man feststellen, dass die Gewinnung und das Verbrennen von gefracktem Gas deutlich mehr Kohlendioxid freizusetzen drohen, als unser Planet verkraften kann. Um die nicht mehr umkehrbaren Auswirkungen des Klimawandels zu verhindern, muss quasi das gesamte Erdgas, das mittels Fracking gewonnen werden könnte, unbedingt unverbrannt im Boden bleiben. Dies gilt auch dann, wenn weltweit offensive Maßnahmen ergriffen werden, um den Öl- und Kohleverbrauch zu senken.

Dieser letzte Punkt wird von der weitläufigen Erkenntnis untemauert, dass bis 2050 höchstens ein Drittel der bekannten fossilen Brennstoffvorräte verbraucht werden darf, wenn die Welt eine mehr als 50%-ige Chance bekommen soll, die Erwärmung unter 2 °C zu halten. Allerdings unterschätzt diese Statistik das Problem in zwei Punkten: Erstens basiert sie nur auf den bekannten Vorräten – ohne Berücksichtigung des meisten Erdgases und Erdöls, das mit Fracking gewonnen werden soll und ohne das Öl aus der Arktis und aus Ölsanden, deren Gewinnung jetzt voranschreitet. Fast dieses gesamte Öl und Gas muss im Boden bleiben. Zweitens stammt die Schätzung der Reserven, die “nicht verbrannt werden dürfen”, aus veralteten wissenschaftlichen Klimaprognosen.. Die 2-Grad-Schwelle ist ungenügend. Derzeit sagen die Klimawissenschaftler, dass selbst ein Temperaturanstieg um 1,5° Celsius bereits zu nicht hinnehmbaren Auswirkungen führt im Globalen Süden..

Ganz einfach ausgedrückt heißt das: Wenn wir unser Klima stabil und unseren Planeten gesund erhalten wollen, können wir es uns nicht erlauben, einen “Energieweg” weiterzugehen, der auf fossilen Brennstoffen beruht. Trotz dieser Tatsache ist es Interessengruppen gelungen, viele Regierungen zu überzeugen, dass mit Schiefergas-Fracking als ein harmloser “Brücken-Brennstoff” auf dem Weg zur Nutzung erneuerbarer Energiequellen sei. Dies ist eine gefährliche und völlig falsche Sichtweise.

Die Welt steht vor einer Klimakrise, die bereits verheerende Auswirkungen zeigt. Ohne schnelle Gegenmaßnahmen werden diese sich verstärken und katastrophale Ausmaße annehmen. Sich für Fracking zu entscheiden bedeutet Stillstand.. Darüber hinaus verhindert es die Entwicklung nachhaltiger Energiesysteme, – unter Berücksichtigung regionaler Bedingungen und Einschränkungen – die jedermann zur Verfügung stehen und auf der effizienten Nutzung sicherer, reichlich vorhandener, erschwinglicher und erneuerbarer Energiequellen beruhen, unter Berücksichtigung regionaler Bedingungen und Einschränkungen.

Beim Klimagipfel in Paris muss deutlich gemacht werden, dass die Förderung von Schiefergas, Tight Gas und Tight Öl sowie Kohleflözgas unter Einsatz von Fracking nicht mit Klimastabilität vereinbar ist. Dies gilt auch für andere extreme Methoden zur Gewinnung fossiler Brennstoffe. Wir fordern Sie auf, ein Verbot von Fracking sowie von damit zusammenhängenden Prozessen zu unterstützen, sowohl auf nationaler Ebene als auch im Hinblick auf internationale Verträge. Bitte machen Sie auf die Notwendigkeit aufmerksam, dass ein größerer Anteil von fossilen Brennstoffen unverbrannt im Boden bleiben muss.

Mit den besten Grüßen

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ABSENDEN

[1] In den letzten Jahren waren etwa 75% der Bohr- und Frackvorgänge in den Vereinigten Staaten nicht auf Gas, sondern auf Öl ausgerichtet, ohne dass dabei Argumente für den Klimaschutz vorgebracht wurden.

[2] Gemäß dem 5. Bericht des Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC) von 2013 bindet (auf vergleichbarer Basis) Methan aus der Öl- und Gasförderung über einen Zeitraum von 20 Jahren Hitze 87 mal stärker als Kohlendioxid und über einen Zeitraum von 100 Jahren 36 mal stärker. Angesichts der Klima-Kipppunkte sollte sich das Augenmerk in erster Linie auf den Zeitraum von 20 Jahren richten. Messungen des aktuellen Methangehalts in der Atmosphäre über Öl- und Gasfeldern zeigen viel höhere Emissionen als die Schätzungen der Industrie auf Basis theoretischer Kalkulationen.